Es geht hier um technisches Zeug, für manche vielleicht zu technisch: Content Management System Tiki, die Enterprise Resource Planning Software Dolibarr und dann noch Version-Control System git und Textsatzsystem TeX.

Als ordnungsliebender und technikaffiner Mensch mache ich Dinge, die andere eher nicht tun. Im November 2017, ca. 1 Monat an der Uni, hab ich die Domäne für das Wasserzentrum gekauft (mit Spendengeld). Auf nduwrdc.org (Ndejje University Water Research and Development Centre) habe ich versucht dem Zentrum eine einfache Webpräsenz zu geben die intern zum gemeinsamen Arbeiten verwendet werden kann. Jetzt bin ich selber nicht wirklich der Profi im Webdesign (deshalb bin ich auch nicht in Uganda gelandet – hier braucht es eher den Experten für fast eh alles, ala Gunkl). Meine Kenntnisse reichen aber aus, über cPanel Software zu installieren. Die verschiedenen Programme wurden gewählt, weil sie

  • seit vielen Jahren am Markt und immer noch aktiv sind,
  • übersichtlich und einfach zu bedienen sind,
  • einfach zu installieren (via cPanel) sind,
  • und natürlich Open Source.

Wiki als QM-Handbuch

In meiner Recherche hat sich Tiki empfohlen und nach Kämpfen konnte ich es auch einigermaßen nutzen. Was ich 2017 noch nicht wissen konnte, dass wir 2019 anfangen uns für eine ISO-Zertifizierung zu interessieren und Tiki auch Revision Approval unterstützt. Glück gehabt, der Herr war gnädig :). Wir benutzen das System jetzt um das QM Handbuch zu schreiben. Wenn Suliman einen Beitrag erstellt oder ändert, bekommt Patrick ein Email und kann die neue Version freigeben.

Seit aus dem QM Handbuch
Ein Template hilft, dass alle Teile des Handbuchs ein einheitliches, automatisch erstelltes Deckblatt haben
Struktur QM Handbuch
Die Seiten der Wiki, die für das QM Handbuch relevant sind, werden zur einer Struktur hinzugefügt. Eine Struktur kann komplett als PDF exporitert werden.

Ein ERP das nicht quält

Vorab: Ich mag Excel, es kann unglaublich viel leisten.Aber wenn ich Rechnungen oder Inventarlisten sehe, die offensichtlich mit Excel erstellt werden, tun mir die Leute leid, die damit arbeiten müssen. Wann im Leben bekommt man schon mal die Chance ein ERP einzuführen? Und weil das so selten ist, hab ich die Möglichkeit genutzt.

Unser Wasser-Zentrum ist ja wirklich überschaubar. Wir kaufen Geräte und Verbrauchsmaterialien, verkaufen Kurse und Tests. Und wie immer im Leben scheint es vorteilhaft das Fundament sehr breit zu machen – vielleicht kommt noch was dazu. Ähnlich wie bei der Wiki-Lösung gibt es auch beim ERP eine riesige Anzahl an Möglichkeiten. Meine Entscheidung viel auf Dolibarr (ich hab immer noch keine Ahnung für was das steht). Es wurde in Frankreich populär, weil die Regierung es für Firmengründer-Programme einsetzte. Die erste Rechnung hat Rhodah im Juli 2018 erstellt und sie hat seitdem das System gut gewartet. Sie hat sogar selbständig die Kunden kategorisiert und die Barmittel kontrolliert. Erst vor ein paar Wochen hab ich von Dr. Philip gehört, dass er Doibarr auf seinem Rechner hat um einen Überblick über seine Ausgaben zu haben.

Im März 2020 (Lockdown-Anfang) hab ich angefangen ein LIMS-Modul für Dolibarr zu schreiben. Nach ca. 2 Monaten war die Version 0.1 fertig (das ist viel Zeit für das was rauskam, aber vielleicht wenig für jemanden der das letzte mal vor 19 Jahren als Programmierer arbeitete). Aus einer Rechnung kann jetzt im ERP ein Labor-Sample erstellt werden, die Ergebnisse werden eingetragen und ein Bericht als PDF an den Kunden gemailt. Für die Labor-ISO-Zertifizierung ist ein LIMS ein Muss und bis jetzt sieht es so aus, als würde die Software rechtzeitig fertig werden. Patrick testet und trägt Bugs und Wünsche auf github ein. Er ist auch ziemlich stolz auf diese Software und wurde schon darauf angesprochen, mit was er diesen Bericht erstellt hat.

Der Test-Report von unserem Dolibarr LIMS-Modul erstellt.

TeX und git

Für unsere GIS-Kurse habe ich von Anfang an LaTeX-Folien erstellt und mit einem git-Repository verwaltet. Es ist ein bisschen verrückt, aber andererseits ist das ja eine Uni (wird TeX sonst wo verwendet?). Es war eigentlich eine Entscheidung gegen PowerPoint und für Kollaboration an einem zentralen Dokument (ginge wahrscheinlich auch mit google, aber vom Big Brother will ich persönlich weg). Bei TeX sieht man ja nur den puren Text den man tippt (1 Satz pro Zeile damit es auch mit git Sinn macht). Dann drückt man den Knopf und ein PDF wird erstellt das toll aussieht. Ein Textsatz-System ist also vom Gefühl her furchtbar für jemanden der mit Word am PC laufen gelernt hat.

Als zwei Studenten im Rahmen vom BWS Projekt an einem Skript gearbeitet haben, durften sie das auch mit LaTeX und git machen. Und es hat tatsächlich funktioniert – irgendwie war ich selber überrascht. Die Studis haben unter Tags geschrieben, und am Abend hab ich mir ihre commits angeschaut und übernommen/korrigiert. Nachdem die Studenten für diese Arbeit bezahlt wurden, konnte ich so gut ihren Fortschritt beobachten und dementsprechend wurden sie bezahlt.

Das Zentrum hat jetzt mehrere größteteils private Repositories: Folien und Unterlagen für Kurse, Software, das Fischzucht-Handbuch.

Herausforderungen

Eine Herausforderung bleibt es diese relativ einfach zu bedienenden Werkzeuge an den Mann zu bringen. Es ist eben nicht so, dass ein Ugander mit Uni-Abschluss sich einfach tut mit Computern. Da kann es schon eine Herausforderung werden wenn zwei verschiedene Applikationen auf der jeweiligen URL unterschiedliche Logins fordern. Sollte jemand hier mit dem Informatik-Studium anfangen, ist es nicht ungewöhnlich dass diese Person das erste mal überhaupt einen PC benutzt. In unseren GIS-Kursen ist meistens mindestens eine Person dabei, die mit der Anweisung „Rechts-Click“ überfordert ist. Das bedeutet für mich: Daneben sitzen und Schritt für Schritt Anweisungen und immer wieder positive Rückmeldung geben.

Bis jetzt war ich nicht erfolgreich darin Mitstreiter für die LIMS-Entwicklungen zu finden. Der Code ist auf github frei zugänglich und für jeden nutzbar. Es dürfte interessant für Labore hier in Uganda werden, diese Software zu nutzen. Ein cleverer und aktiver Student, Ivan, hat für eine Software-Firma in Kampala an einem LIMS für eine große Regierungsorganisation mitgearbeitet (dieselbe Organisation, die uns auch zertifizieren wird). Ivan hat schon angefangen, Dolibarr bei zwei kleinen Firmen vorzuführen und könnte sich so eine weitere Einnahmequelle aufbauen.

Die größte Herauforderung ist es, das Administrieren der Homepage und ihrer Komponenten an einen Ugander zu übergeben. In den nächsten Monaten werde ich hier unsere IT-Abteilung belagern (im wesentlichen ist das eine Person).

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