Covidi sizoni

Zu Beginn der Pandemie bzw. am Anfang des Lock downs war die Zustimmung der Ugander zu den Maßnahmen der Regierung recht groß. Es gab haufenweise #stayhome #staysafe Nachrichten. Wie überall auf der Welt, sangen auch hier die Musiker Lieder.

Parlamentarier und oppositioneller Präsidentschaftskandidat, Robert Kyagulanyi aka Bobi Wine
Die Masaka Kids mit ein paar dramatischen Einlagen

Mit fortwährender Dauer verlieren die Maßnahmen an Akzeptanz. Die Regierung wirft der Bevölkerung vor, sich nicht an Vorschriften zu halten, was sie als Anlass nimmt, die Einschränkungen nicht zu lockern. Das kann groteske Züge annehmen und die Ugander haben hier auch ihren eigenen Humor damit umzugehen – wie hier auf dem Bild angedeutet.

„Maskenverkäufer verhaftet wegen Nicht-Tragen einer Maske, von Polizisten die keine Masken trugen.“

Der Spiegel hatte am 20.6. in einem Interview mit der Menschenrechtlerin Stella Nyanzi auf die Situation in Uganda hingewiesen. Für die Mächtigen scheinen die Umstände eine Versuchung darzustellen. Ein Nachbar hat gemeint: „Die Leute arm zu halten ist eine Strategie. Arme Leute kann man leicht manipulieren.“

Was wir oft in Uganda im Zusammenhang mit Covid-19 (und auch sonst) hören: „Gott wird uns beschützen.“ Oder wie die Makaka Kids sagen „Gott ist auf unserer Seite.“ Bei allem was in den Nationen so missraten ist, ist das tatsächlich ein Lichtblick, der Blick auf Gott. Die Marktfrau, bei der wir oft Früchte und Gemüse kaufen, hat letztens die Lobpreismusik angedreht und gemeint: „We are here, worshipping God“.

(Der Titel ist eine Stilblüte von einem Bekannten. Luganda mischt sich irgendwie ins Englische und manchmal wird das Entschlüsselung einer SMS zur kreativen Denksportaufgabe.)

Recess

Die offiziellen Zahlen zu den COVID-19 Fällen in Uganda: 85 bestätigte Fälle, 52 Genesene, 0 Todesfälle, bei 29.277 durchgeführten Tests (Stand 2. Mai). Mit Fortdauer der Einschränkungen für den öffentlichen und privaten Verkehr, Ladenöffnungen, etc., wird es wahrscheinlicher, dass mehr Menschen an Hunger oder Malaria sterben werden als an diesem Virus.

Die Uni erlebt gerade das, was hier als ‚Recess‘ (engl. Unterbrechung) bezeichnet wird: Minimalbetrieb aufgrund fehlender Kundschaft. Im Regelbetrieb passiert das zwei mal pro Jahr. Dann sieht man nur noch die Sportler, berufsbegleitende Studenten, die Blockunterricht haben, und ein paar Büroangestellte. Derzeit sind einzig die Wachleute zugegen.

Der Science Complex. Hier wuseln sonst Studenten rum.
Wenn gar keiner da ist, checken andere die Lage ab.

Auch das Health Centre der Uni verzeichnet kaum Besucher. Wir gehen normalerweise dort hin um Kleinigkeiten machen zu lassen, Wunden nähen und so was. Zwischendurch steht man auch schon mal vor verschlossenen Türen. Telefonisch ist aber meistens jemand erreichbar.

Auch hier versteckt sich ein Tier auf dem Bild.
Am Gang erinnern nur Plakate an eine Pandemie.

Vorbereitet auf COVID-19 Patienten ist hier keiner. In einem Gespräch bestätigt das einer der Ärzte:

Wir könnten nichts tun.

Dr. Dixon

Mit meinem Nachbar, der an der Uni mit für das Wohlergehen der Studenten verantwortlich ist, unterhalte ich mich manchmal darüber, wie es weitergehen wird. Leider scheint es so zu sein, dass die meisten nur darauf warten bis die Regierung sagt, wie es weitergeht. Eigene Anstrengungen und ein Überlegen wie man sich auf diese Zeit vorbereitet, sehe ich nicht. Leider begegne ich diesem Mangel an Initiative öfters. Der ‚Recess‘ scheint wie eine Plage dazu bestimmt, die Dinge einfach hinzunehmen.

Lichtspiele

Leider fehlt jetzt das Foto vom hiesigen Kino in Kisooba. Man kann sich einen Bretterverschlag mit Dach vorstellen. Dach, damit es nicht reinregnet, Bretter, damit Nicht-Zahlende nichts sehen. Wir haben uns für die Variante Freilichtkino, auch Freiluftkino, entschieden. Der Aufbau entspricht den lokalen Sicherheitsauflagen und sollte nicht nachgeahmt werden.

Sicherheit bedeutet: Keiner greift was an und bleibt möglichst fern.

Der Beamer leuchtet von hinten auf ein weißes Tuch. Dafür muß er die Funktion Rückprojektion haben.

Der Beamer steht höher als die Leinwand, damit man nicht so stark in den Lichstrahl reinschaut. Das Tuch, das als Leinwand dient, wird an Draht mit Wäscheklammern befestigt.

Im Bild deutlich zu sehen: Die Gruppegröße geht konform mit den COVID-19- Einschränkungen.

Die Kinder müssen nicht eigens eingeladen werden. Ihr Terminkalender ist seltenst ausgebucht und so trudeln sie mit der Zeit von selber ein. Es leben mehr als 5 Kinder am Compound, aber die sind auch sonst den ganzen Tag beieinander.

Beim letzten Event gab es den Prinz von Ägypten zu sehen. Unser Nachbar, von dem 5 seiner Kindern zugeschaut haben, meinte danach: Danke für diese gute Lehre. Es ist wichtig, dass die Kinder lernen, dass Gott mächtig ist und Wunder tun kann. Er ist übrigens Moslem.

Viel Geld hilft viel?

Kann ein Projekt langfristig die Beteiligten glücklich machen?

Im Advent wird allerorts Geld gesammelt und gespendet. Wie sonst zu keiner Zeit bekommen auch wir von CFI entsendeten Entwicklungshelfer, Spendenzuwendungen. Und das ist an sich gut – wenn man weiß, wie mit Geld umzugehen ist.

Weihnachten und die Geschichte von den armen, glücklichen Kindern

Vor Weihnachten kam mein ehemaliger Arbeitgeber, die KMU LOFT Cleanwater GmbH, auf mich zu. Der Geschäftsführer fragte mich, ob er denn helfen könnte? Diese Gelegenheit konnte ich nicht ungenutzt vorbeiziehen lassen. Letztendlich wurde ein Projekt unterstützt, in dem Biosand-Filter gebaut werden. Das hört sich erstmal recht einfach an. Es werden also Filter gebaut und aufgestellt, die das vorhandene Trinkwasser in der Qualität wesentlich verbessern. Es ist auch recht einfach, das zu machen und im selben Atemzug werbewirksame Bilder mit Kindern zu bekommen. Kinder, so viele wie halt auf ein Bild passen ohne dabei den Filter zu verdecken, die glücklich in die Kamera schauen und dabei vielleicht einen Becher mit Trinkwasser halten.

Warum ist dann hier keines dieser Bilder zu sehen? Wir haben mit der lokal tätigen NGO Connect Africa zusammengearbeitet, um langfristig Strukturen zu schaffen, die auch noch funktionieren, wenn das Bild längst seinen Dienst getan hat. Das bedeutet, wir gehen einen weiten Weg, der auch von den Einheimischen etwas abverlangt. Von eben dieser NGO, haben wir (also die Ungander und ich) folgenden Satz gehört:

Wenn ihr jemandem einen Filter hinstellt, ohne dass er dafür etwas bezahlt hat, wird dieser Mensch darauf warten, bis ihr auch das Wasser in den Filter leert.

Aye Stephen, Connect Africa
Stephen ist seit mehr als 10 Jahren im Bio-Sandfilter-Geschäft

Wer macht mit? Was darf es kosten?

Nachdem sicher war, dass wir 3000 EUR für dieses Projekt zur Verfügung hatten, haben wir uns als Wasserzentrum zusammen mit der Technik ohne Grenzen-Gruppe (TeoG) der Uni zusammengesetzt und überlegt, wie und vor allem mit wem das funktionieren kann. Die TeoGs hatten schon einen WASH-Promoter Workshop an verschiedenen Schulen im Umfeld gemacht (WASH = Water, Sanitation and Hygiene). Sie haben also Lehrer darin motiviert und angeleitet Hygiene zum Thema im Unterricht zu machen. Das bedeutet, sie wussten wer bei so einem Projekt „von Herzen“ dabei sein würde. Zum Training wurden eingeladen

  • 2 Lehrer von der Schule Winterland
  • 2 Lehrer von der Schule Ndejje Junior
  • 2 Mitarbeiter von der Mensa der Uni
  • 2 Mitarbeiter der mechanischen Werkstätte der Uni
  • 2 Mitglieder von Technik ohne Grenzen Uganda
  • 1 Vertreter der ugandischen NGO CHILD
  • 3 Mitglieder vom Water Centre
Gruppenbild vom theoretischen Training. Mit dabei auch 4 Medizinstudenten der Uni.

Die beiden Schulen sollten zunächst einen Filter bekommen, genauso wie die Uni-Mensa. Nachdem die Ugander unter sich beraten hatten, was es den Schulen wert sein sollte, haben diese nach ihren Möglichkeiten 25 EUR bzw. 35 EUR für die Teilnahme bezahlt. Außerdem wurden die Fahrtkosten nicht übernommen. Und bei diesem Schritt trennt sich die Spreu vom Weizen. Viele Organisationen, gerade in der Entwicklungszusammenarbeit, zahlen Fahrtgeld UND ein Taggeld (Allowance) UND das Training. Das treibt solche Blüten, dass Leute, die ein wertvolles Training bekommen, auch erwarten für ihr Beiwohnen bezahlt zu werden. Wie schön, dass manch Ugander das als ungesund sieht und dem entgegenwirken will. Die Entscheidung kein Fahrtgeld zu zahlen (was in den 3000 EUR locker drin gewesen wäre), wurde von den Ugandern getroffen. Das zweitägige praktische Training war etwa 30 Minuten entfernt. Die Teilnehmer haben sich selber organisiert, jemand hat ein Auto geliehen, Benzinkosten wurden geteilt. Ich saß im selben Auto – nicht im eigenen.

Training – für was?

Das Training war für die Beteiligten gegliedert in einen theoretischen Teil (ein Vormittag) und zwei Tage Praxis bei Connect Africa. Zur Theorie gibt es für Interessiert eine ganze Reihe von Videos (die wir nicht angesehen haben). Der praktische Teil hat die Produktion eines BSF umfasst. Sicherlich kann man argumentieren, dass ein Anwender nicht wissen muss, wie man den Filter baut. Dagegen ist einzuwenden:

  1. Mehr Schulung selten schadet.
  2. Eine positive Gruppendynamik entsteht, wenn alle Beteiligten den selben Prozess durchmachen.
  3. Die Scheu und Erfurcht vom Gerät sinkt, die Akzeptanz und Wertigkeit steigt wenn hinter die Kulissen geschaut werden kann.
  4. Es gibt guten Grund zur Annahme, dass sich einige tatsächlich einmal etwas Geld mit der Herstellung der Filter verdienen dürften.
2 Tage Training bei Connect Africa – Herstellung eines BSF

Letztendlich war es mir sehr wichtig, dass Gertrude, die Leiterin der mechanischen Werkstatt dabei ist. Sie kann so zukünftig Studenten darin anleiten einen Filter zu bauen. Sollte es uns gelingen, diese praktische Erfahrung in den Lehrplan einzubinden, werden noch viele Filter von Studenten gebaut und aufgestellt werden.

Gertrude beim Zementanrühren.

Dank der Spende der KLC können wir dafür jetzt alles notwendige an Werkzeug besorgen und das Pilotprojekt durchführen: Schulungen, Kauf und Installation von 3 Filtern, Aufstellen weiterer 9 selbstgebauter Filter, Wassertests. Nachdem die TeoG-Gruppe auch in Zukunft noch vor Ort ist, wird diese das Wissen innerhalb der Gruppe weitergeben. Weil das Labor vom Wasserzentrum schon selbständig laufen kann, ist die Überprüfung der Qualität des gefilterten Wassers einfach möglich.

Francis, von der TeoG Gruppe bei der Arbeit.

Dass so ein Filter jeden Tag mindesten einmal mit Wasser befüllt werden soll, kann speziell bei Schulen ein Problem sein. Wer füllt in den Ferien? Francis hat, nachdem am Donnerstag klar war, dass alle Schulen Corona-bedingt einen Monat schließen, selbständig die Verantwortlichen in den Projektschulen angerufen. Er hat sichergestellt, dass die Filter auch jetzt befüllt werden. Das sind für mich persönlich die schönsten Zeiten, wenn ich nichts weiter dazu beitrage und die Einheimischen zusammen ihr Uganda voranbringen.

Kann viel oder wenig Geld also auch schaden? Sicherlich! Aber dazu ein andermal mehr.

Arbeitswoche, nach einem Jahr vor Ort

Vor einem Jahr (*) sind wir hier angekommen.  Hier ist eine Arbeitswoche kurz beschrieben. Ich werde ja öfters gefragt, was ich denn so tue.

Montag, 15. Oktober
An Montagen versuche ich vormittags immer an der Uni zu sein. Das Top-Management ist an diesem Tag in der Regel vor Ort und es ist angebracht gesehen zu werden und ein paar Worte zu wechseln. Ab und zu wird daraus ein längeres Gespräch. Ich habe gelernt, dass kleine Gesten für das Miteinander sehr wichtig sind. Natürlich gilt das auch für Mitteleuropa, nur sind dort die Menschen doch etwas mehr aufgabenorientiert. An diesem Vormittag kam es aber zu keiner Begegnung mit dem Top-Management. Rückblickend kann ich nur vermuten, dass ich an einem der gefühlt tausend  Sachen die gerade laufen, gearbeitet habe. Es war auch der Montag nach der Graduation am Freitag. Dem Tag also, an dem viele Studenten ihr Studium offiziell abgeschlossen haben und ihre Urkunde entgegennehmen durften. An diesem Tag haben wir als Water Centre das erste Mal etwas ausgestellt, am Montag danach habe ich ein bisschen aufgeräumt und das Chaos rekapituliert. Am Nachmittag fahre ich mit zwei Studenten „ins Feld“, nach Mawu zu Noah’s Ark. An diesem Kindergarten/Grundschule werden Yolesi und Amans die Wasserversorgung im Rahmen ihres Abschlussprojektes verbessern. Das Geld zur Umsetzung, knapp 1.000 EUR, stiftet CFI. Wir treffen die Direktorin, Mrs. Teopista, der kleinen Dorfschule an, als sie gerade zuschließt und gehen wollte. Ich konnte sie im Vorfeld nicht erreichen, habe mich aber trotzdem auf den Weg gemacht. Irgendwen trifft man schließlich immer an, Nachbarn, Dorfbewohner. Heute kommt auch noch der Vorstand dazu. Wieder stehe ich, jetzt schon das dritte mal am „Wasserloch“ und höre zu, wie die Studenten fragen stellen, die ich vor 4 Monaten, Dr. Philip vor 2 Monaten gestellt hat. Teopista ist sehr freundlich und beantwortet trotz quängelnder zweijähriger Tochter alle Fragen. Während die beiden Studenten das Schulgelände samt Gebäude vermessen, habe ich small talk. Mein Luganda reicht nicht wirklich aus, um hier ein Gespräch zu führen. Dder Leidensdruck zum Luganda erlernen ist bei mir nicht groß genug.

Dienstag, 16. Oktober
Heute steht vormittags ein Meeting mit meinen Kollegen des Wasserzentrums an. Am Nachmittag erwarte ich Walker, unseren Handwerker für Arbeiten am und rund ums Haus.

Mittwoch, 17. Oktober
Nachmittags fahre ich mit Elias nach Kampala, um einen Drucker für das Centre zu erwerben. Elias ist an der Uni als Fahrer angestellt und wenn wir ihn als Familie oder für die Arbeit benötigen, sprechen wir uns mit ihm ab. Einen Fahrer in Kampala zu haben birgt riesige Vorteile. Erstens, die Chance auf unfallfreiheit erhöht sich sagenhaft. Zweitens, die Reise geht wesentlich schneller. Drittens, man lernt neue Schleichwege kennen. Elias fährt nicht immer 100% nach Regeln, wobei das in dem Verkehr auch kaum möglich ist, aber extrem sicher. Also klappere ich die Meile der Elektrofachhändler an der Kampala Road ab. Hier ist ein Laden neben dem anderen und alle führen in etwa das gleiche Sortiment, es scheint als wären alle von Indern betrieben. Nachdem ich in vier Läden den gleichen Drucker gefunden habe, kaufe ich beim günstigsten. Handeln ist möglich und dumm ist, wer es nicht versucht. Das Geld für den Drucker kommt von CFI – in diesem Fall also von Spenden. Danke!

Donnerstag, 18. Oktober
Vormittags skype ich mit Rottenburg, in einem Monat kommt die Delegation von der FH Rottenburg und das BWS plus Projekt wird gestartet. Am Nachmittag fahren Rhodah und ich zu Leuten, die Erfahrungen mit Biosandfiltern haben. So breichtet man uns. Wir werden überrascht. Die Idee, mit Hilfe von Lehm die runde, konische Form des Filters zu machen finden wir gut. Bis dorthin hatten wir nur die Stahlformen gekannt, viel zu komplex für einen lokalen Schweißer, außerdem sehr teuer. Allerdings dauert der ganze Vorgang angeblich mehrere Wochen. Die Leute wurden von einer NGO geschult, deren Namen sie nicht mehr wissen. Wir möchten wissen, wie sie die Ugander dazu bringen, diesem gefilterten Wasser zu vertrauen. Angeblich ist die Schulung, die der Trupp anbietet, so gut,  dass danach alle überzeugt sind. Auf die Frage, warum das ganze „Bio-Sandfilter“ genannt wird, bekomme ich zu Antwort, die ganzen Materialien sind ‚biologisch‘ – also kein Plastik oder so. Von den Bakterien, die sich im feuchten Sand ansiedeln und patogene Keime vernichten (deshalb ‚bio‘), haben sie noch nicht gehört. Wir werden nächstes Jahr, 2019, versuchen hier weiterzumachen.
Am späten Nachmittag antworte ich noch auf eine Anfrage vom neuen Dekan der Fakultät. Er wollte einen Überblick über unsere Aktivitäten haben.

Freitag, 19. Oktober
Vor dem Mittagessen habe ich mit Studentengruppen zu tun. Ihre Projekte werden vom Zentrum betreut. Es ist ein Kampf gegen Copy-Paste und für richtiges Zitieren. Am Nachmittag bin ich mit Chris in Mulira, um den Fischpond zu begutachten.

(*) … und 5 mittlerweile Monaten, die Stille im Blog kam unerwartet. Die Woche für den Blogeintrag wurde mittels Kalendereinträgen und Langzeitgedächnis rekonstruiert.

Begräbnis

Vor einiger Zeit (tatsächlich war es im April, aber das Erlebte bewegt mich immer noch) wurde ich zu einer Beerdigung eingeladen. Eingeladen bedeutet: in Kenntnis gesetzt. Sobald man über den Verlust Bescheid weiß, entspricht das einer Einladung. Die Trauerfeier fand an einem Gelände unweit des Friedhofs statt. Die Gebäude werden von der Dorfgemeinschaft instand gehalten, es trifft letztlich jeden einmal. Bei der Feier gibt es dann die Möglichkeit seine Anteilnahme in Form eines Geldgeschenks auszudrücken, die Unkosten für das Essen, das Grab und Sarg müssen von der Familie irgendwie gedeckt werden. Ich wollte dort hin gehen, weil unser Nachbar ein Enkelkind verloren hatte. Die Eltern leben nicht am Ort, ich kannte weder diese noch das Kind. Das Kind war das mittlere von drei, es war vier Jahre alt.

Nachdem Carolyne, unsere liebe Hilfe im Haushalt (und Tischgenossin und Nanny und …), mit war, konnte sie mir immer wieder ein paar Sachen aus den Ansprachen und auch sonst das Geschehen vermitteln. So hat sie mir ein paar Stücke aus der Ansprache des Pfarrers übersetzt. Dieser ist nicht vom Ort, und meine Vermutung ist die, dass er deshalb einen größeren Freiheitsgrad in seiner Direktheit hat. So hat er das spiritistische Zentrum, das nur ein paar Meter weg von den Feier gelegen ist, und die Leute die dort zu Ihren Ahnen beten angegriffen: „Kennt ihr eure Großeltern nicht, dass ihr sie dort anruft?“ Er hat die Bedeutung von Kisooba („langsam“) als Aufhänger für einen Witz auf Kosten der Dorfgemeinschaft verwendet. Überhaupt lag der Schwerpunkt hier weniger auf Trauer und mehr auf Feier. Die Hoffnung, genährt vom Glauben auf eine Auferstehung der Toten und eine Ewigkeit im Angesicht eines liebenden Gottes, war hier spürbar stärker als die erdrückende Tatsache des frühen Todes eines Kindes.

Für mich war die, soweit ich es beurteilen kann, echte Kraft und Hoffnung, die der Vater in seiner Ansprache an den Tag brachte, schwer zu fassen. Was mich an dem Tod so fertig gemacht hat, war die Ursache für den Tod. In Uganda ist eine Impfung gegen Masern kostenlos. Trotzdem erlag das Kind den Folgen dieser Viruserkrankung. In Deutschland ist die Masernimpfquote ebenfalls zu niedrig, um das Ziel einer weltweiten Elimination bis 2020 zu erreichen (Robert-Koch-Institut). Von den 89.780 in 2016 an Masern gestorbenen Menschen waren die Mehrheit Kinder unter fünf Jahren (WHO). Der Vater des Kindes hat in seiner Ansprache auch gesagt, er habe noch zwei weitere Kinder und seine Frau sei noch jung, könne also noch weitere bekommen.

Es ist keine zwei Wochen später zum nächsten Todesfall in genau dieser Familie gekommen. Das jüngste Kind ist ebenfalls in Folge von Masern gestorben. Wie ich erfahren habe, waren dieses Mal mehr Besucher beim Begräbnis anwesend. Die ungewöhnliche Stärke der Eltern und die für Beerdigungen hier seltene Unbeschwertheit hat einige neugierige Zaungäste angezogen. Ich wollte diesesmal nicht mehr zum Begräbnis. Ich hätte nicht gewusst, wie ich mit der Situation richtig umgehen soll.

Am Grab stehend habe ich diesen Gesang gehört und musste weinen, auch wenn ich die Worte nicht verstand.

Tuli yambala engule mu Jerusalemi empya (Wir werden eine Krone tragen im neuen Jerusalem).

Tayinza kundekawo Yesu wange ali nange (Er wird mich nicht allein lassen, mein Jesus ist mit mir).

Gegen Ende des Liedes hört man wie das gemauerte Grab mit einem Betondeckel geschlossen wird. Der Beton wird an Ort und Stelle angerührt und aufgetragen.

If you are happy and you know it …

Ein Highlight der Woche war ein Kindergartenbesuch hier am Ort.

Normalerweise (also wenn die Eltern es sich leisten können) gehen die Kinder hier ab  3 in den Kindergarten. Der ist in drei Stufen unterteilt – Babyclass, Middleclass, Topclass. Und das ganze ähnelt schon sehr einer Schule mit Stundenplan und Fächern wie Mathe und  Englisch. Ab 5/6 Jahren gehts dann in die Schule, entweder gleich Internat oder eine Ganztagesschulen vor Ort. Erst Primary (P1 bis P7), dann Secondary (S1 bis S6). Laut Wiki-Artikel geht etwa jeder 10. in die Secondary (die weiterführende Schule). Es gibt hier private und staatliche Schulen, die eigentlich kostenlos sein sollte, aber oft werden trotzdem Gebühren verlangt. Außerdem gibt es zu jedem Termbeginn (also 3x im Jahr) eine Liste an Dinge, die mitgebracht werden sollen: u.a. Blöcke und Stifte, aber auch Teller und Klopapier. Die Gebühren und die Liste an Dingen stellt so manche Familie hier vor immense Herausforderungen, das Geld aufzutreiben. Oft besuchen dann Kinder nur einen Teil vom Schuljahr die Schule, Kommen und Gehen wie gerade Geld da ist. Oder es wird ihnen am Ende das Prüfungsergebnis nicht  genannt.

Zurück zu unserem Highlight der Woche! Mama Whitneys (unsere Milchlieferantin) Tochter Marion hatte ihren 3. Geburtstag und den durften wir mit ihr im Kindergarten feiern. Clara mochte vorallem den Kuchen und Limo, Matilda die Spiele und Lieder! Christina fand vorallem interessant, wie die Erzieherin mit den Kindern umging. Da musste am Anfang sich in ordentliche Reihen gesetzt werden (das hat schon gefühlt ewig gedauert), die Kinder sollten alle hübsch aussehen (also Hemd in die Hose stecken 🙂 und ab und zu fiel der Satz: „Benimm dich, oder ich geb dir einen Klaps!“ Das ist hier leider Realität und „Klaps“ ist eher harmlos ausgedrückt. Alles in allem hat die Erzieherin für Marion einen sehr schönen Vormittag gestaltet und wir hatten auch unseren Spaß!

Auf die Frage, ob Matilda hier jetzt auch in den Kindergarten gehen wollte, meinte sie eher nein, das sei ihr zu laut.

Weltwassertag 2018

Anlässlich des Weltwassertags, der jedes Jahr am 22.3. stattfindet, hat sich das Wasser-Zentrum der Uni aufgemacht und 32 Schülern der nahegelegenen Nalinya Lwantale Girls School einen kleinen Ausflug ermöglicht. Der Bus der Uni nahm uns alle zu einem nahegelegen Sumpf (*) mit wo wir uns über Funktion und Bedeutung von Feuchtgebieten unterhalten haben.

Wir waren an einer Stelle, wo dem Feuchtgebiet stark durch den Abbau von Lehm zur Ziegelherstellung zugesetzt wird. Jedes Jahr gehen in Uganda 2% der bestehenden Feuchtgebiete verloren. Durch den Bevölkerungswachstum entstehen entweder Siedlungen, Ackerflächen oder es wird, wie im Bild zu sehen, der Boden zu Ziegeln verarbeitet, zu Türmen gestapelt und dann gebrannt.

Auf der Rückfahrt blieb der Bus ein zweites Mal stehen und wir haben uns ein stark degradiertes Feuchtgebiet angesehen. In den den Löchern, wo ehemals Ziegeln abgebaut wurden, wachsen jetzt Eukalyptusbäume (**). Die wichtigesten Kriterien zur Beurteilung von Trinkwasser (Trübe, Farbe, Geruch) wurden mit Wasser aus einem kleinen Bach veranschaulicht. Ein Gespräch über wasserbürtige Krankheiten hat gezeigt, dass die Jugendlichen im Alter zwischen 13 und 16 ganz gut Bescheid wissen. Dass es neben dem Abkochen auch andere Möglichkeiten zur Wasseraufbereitung gibt, haben wir mit einem mitgebrachten Filter veranschaulicht. Die Schüler haben mich drauf hingewiesen, dass auch ein Fisch im Eimer schwimmt (ich hab nur von Bakterien und anderem Kleinzeug geredet). Beim Auslehren des Eimers hat mich dann eine Kaulquappe angelacht.

Uns vom Wasser-Zentrum hat der Ausflug Spaß gemacht, und die Teens wollten eigentlich auch nicht wieder so gern zurück in ihre Schule. Solche Ausflüge sind auch sehr selten hier.

(*) Die Begrifflichkeiten zu den verschiedenen Feuchtgebietstypen wie Sumpf, Marsch, Ried usw. unterscheiden sich zum einen zwischen Englisch und Deutsch, zum anderen zwischen Wissenschaftler und Laie. Wobei ich mich zu den informierten Laien zähle.
(**) Eukalyptus ist nach meiner Kenntnis in Uganda kein „Ureinwohner“ sondern wurde später eingeführt. Er eignet sich gut zur Entwässerung von Feuchtgebieten, weil er viel Wasser braucht. Die Bäume wachsen schnell und sind deshalb auch sehr beliebt. Allerdings hat der Präsident eine Bepflanzung mit Eukalyptus in Feuchtgebieten verboten.

Reise ins Unbekannte

Vor etwa 3 Wochen machte ich Bekanntschaft mit einem jungen Mann, David. Wir kommen ins Gespräch und er ist recht interessiert, warum ich hier bin, was ich hier tue, was die Uni tut. Nach einiger Zeit treffen wir uns an der Uni und weil ich etwa 10 Minuten zu spät bin, werde ich mit einer leichten Rüge von David empfangen. Das ist eher ungewöhnlich, oft sind es die Einheimischen die zu spät kommen. Wir gehen gemeinsam übers Gelände, schauen uns ein paar Sachen an und diskutieren Themen wie Trinkwasser, Bewässerung und Fischzucht. Am Ende vereinbaren wir, dass wir uns wieder treffen und er mich in seinem Parish (politische Gemeinde) einführt und mich mit den Leuten dort und ihren Wassernöten bekannt macht. Letzten Freitag war es soweit und wir machten uns auf die Reise. Wenn man sich das Gebiet auf google maps oder auf OpenStreetMap ansieht, könnte man meinen, dort gibt es nichts. Keiner macht sich die Mühe und trägt dort die Namen der Dörfer ein, nicht einmal alle Straßen sind verzeichnet.

OpenStreetMap-Screenshot

David führt mich zuerst zu einem Kindergarten. Es gibt dort keinen Brunnen und keine Regenwassernutzung. Die Kinder dort holen sich das Wasser von dieser Stelle:

David fragt mich, was ich denke was passiert: Die Kinder holen das Wasser an einem heißen Tag, sie sind durstig. Der Weg zum Kindergarten geht bergauf, es sind ca. 200 Meter. Werden Sie mit trinken warten bis sie wieder an der Schule sind und das Wasser abgekocht ist?
Wir gehen den Weg zurück, und ich denke wie schön es hier zwischen den Feldern ist und wie falsch es ist, das 5-jährige den Hügel hier hoch Wasser schleppen. Oben angekommen treffen wir ein paar Frauen an, die sich hier als Spar-Klub treffen. Auch sie wollen, so wie die Chefin vom Kindergarten zuvor auch, den Stove sehen, der noch zufällig im Kofferraum ist. So ein Stove ist eine mobile Feuerstelle. Man gibt Kohlen oder Brickets rein und kann damit sehr viel effizienter kochen, als es die üblichen ugandischen Feuerstellen erlauben. Die Frauen sind sehr interessiert, anscheinend sehen sie zum ersten Mal so ein Gerät. Sie sagen, sie werden dafür sparen.

Wir verabschieden uns und fahren zu einem Dorf, an dem wir schon von einem Lokalpolitiker und mehrern Dorf-Vertretern erwartet werden. Es gibt mehrere Leute, die mir erzählen, dass hier die Not was Wasser angeht sehr groß ist. Die Mehrzahl der Leute spricht kein English.

Der nächste Brunnen sei ca. 1 km entfernt und das Wasser entweder milchig oder gelb. Vor drei Jahren haben sie als Dorf eine Anzahlung von 500.000 Schilling an den Bezirk für einen Brunnen gezahlt. Das ist für diese Leute ein Menge Geld, leider ist seitdem nichts passiert und irgendwie haben die Menschen das Gefühl, vergessen worden zu sein. Der Jugendvertreter meinte, es war nie anders. Die ganze Kindheit und Jugend sind sie immer mit Wassertragen beschäftigt gewesen.
Auch hier wird mir die Stelle gezeigt, wo alle ihr Wasser schöpfen.

Auch in einem Sumpf holen sich die Kinder einer anderen Schule ihr Wasser. Hier ist der Gang noch zusätzlich durch das Überqueren einer Straße gefährlich. Nicht weit der Stelle weiden Kühe. Der Schulleiterin ist auch klar, dass nicht nur Vieh das Wasser verunreinigen kann, sondern auch eines der Gefäße von den 300 Menschen die hier schöpfen.

Auch hier wird das Wasser abgekocht, auch hier ist der Herd traditionell.

Die nächsten zwei Stationen sind etwas erfreulicher. Ein Bauer möchte gerne seine Kaffeepflanzen bewässern und hat die Idee einen Fischteich auszuheben. Und dann gibt es noch einen Brunnen, wo nach längeren Pumppausen, z.B. morgens, die Leute für 30 Minuten pumpen müssen bis Wasser kommt.
Nach dieser Tour machen wir für nächsten Freitag eine Termin aus, wo David mich auf einen Tee zu sich nach Hause einlädt. Damit ich ihn nicht vergesse, wird er mich donnerstags abends nochmal anrufen.

Lokale Küche: Rolex

Ein Rolex braucht die drei S: Sonne, Singen und Sand.
So der Volksmund beziehungsweise habe ich den Spruch von einem Deutschen mit langjähriger Uganda-Erfahrung gehört.  Auf jeden Fall ist der Rolex so wichtig für den Ugander wie die Fritten- oder Dönerbude für den Deutschen oder die Würstlbude für den Österreicher. Ein lebhaftes Video, authentisch mit den drei S, kann sicher den Rolex besser erklären als es meine Worte hier könnten.
Das Video zeigt natürlich eine etwas geschönte Version. Vielleicht war ich einfach an den falschen Ecken unterwegs, aber Karotte, grüne Paprika und Chili wurden mit noch nie serviert. Macht aber nichts, schmeckt auch so!

Chapati und Rührei werden mit Holzkohle gebraten. Kocher wie dieser hier sind überall in Kampalla und in der Provinz zu finden.

Uganda kocht mit Holz oder Holzkohle, ganz ungeachtet des Ziels der Regierung die Waldfläche bis 2040 auf 24% zu heben.
Wie man trotzdem sein Rolex mit gutem Öko-Gewissen genießen kann, zeigen die Kollegen vom Renewable Energy Research & Development Centre. Während der letzten Großveranstaltung konnten die preisgekrönten hauseigenen Briketts, hauptsächlich hergestellt aus Maisspindeln, erworben werden. Es gab Popcorn, gebraten mit genau diesen Brikettes, der Solarkocher kochte und der brikettbetriebene Rolex-Stand war auch am Start.

Übrigens ist der Sand im 3-S wirklich essentiell. Ein Rolex ganz ohne Knirschen ist eben kein echter.