Vor einem Jahr (*) sind wir hier angekommen.  Hier ist eine Arbeitswoche kurz beschrieben. Ich werde ja öfters gefragt, was ich denn so tue.

Montag, 15. Oktober
An Montagen versuche ich vormittags immer an der Uni zu sein. Das Top-Management ist an diesem Tag in der Regel vor Ort und es ist angebracht gesehen zu werden und ein paar Worte zu wechseln. Ab und zu wird daraus ein längeres Gespräch. Ich habe gelernt, dass kleine Gesten für das Miteinander sehr wichtig sind. Natürlich gilt das auch für Mitteleuropa, nur sind dort die Menschen doch etwas mehr aufgabenorientiert. An diesem Vormittag kam es aber zu keiner Begegnung mit dem Top-Management. Rückblickend kann ich nur vermuten, dass ich an einem der gefühlt tausend  Sachen die gerade laufen, gearbeitet habe. Es war auch der Montag nach der Graduation am Freitag. Dem Tag also, an dem viele Studenten ihr Studium offiziell abgeschlossen haben und ihre Urkunde entgegennehmen durften. An diesem Tag haben wir als Water Centre das erste Mal etwas ausgestellt, am Montag danach habe ich ein bisschen aufgeräumt und das Chaos rekapituliert. Am Nachmittag fahre ich mit zwei Studenten „ins Feld“, nach Mawu zu Noah’s Ark. An diesem Kindergarten/Grundschule werden Yolesi und Amans die Wasserversorgung im Rahmen ihres Abschlussprojektes verbessern. Das Geld zur Umsetzung, knapp 1.000 EUR, stiftet CFI. Wir treffen die Direktorin, Mrs. Teopista, der kleinen Dorfschule an, als sie gerade zuschließt und gehen wollte. Ich konnte sie im Vorfeld nicht erreichen, habe mich aber trotzdem auf den Weg gemacht. Irgendwen trifft man schließlich immer an, Nachbarn, Dorfbewohner. Heute kommt auch noch der Vorstand dazu. Wieder stehe ich, jetzt schon das dritte mal am „Wasserloch“ und höre zu, wie die Studenten fragen stellen, die ich vor 4 Monaten, Dr. Philip vor 2 Monaten gestellt hat. Teopista ist sehr freundlich und beantwortet trotz quängelnder zweijähriger Tochter alle Fragen. Während die beiden Studenten das Schulgelände samt Gebäude vermessen, habe ich small talk. Mein Luganda reicht nicht wirklich aus, um hier ein Gespräch zu führen. Dder Leidensdruck zum Luganda erlernen ist bei mir nicht groß genug.

Dienstag, 16. Oktober
Heute steht vormittags ein Meeting mit meinen Kollegen des Wasserzentrums an. Am Nachmittag erwarte ich Walker, unseren Handwerker für Arbeiten am und rund ums Haus.

Mittwoch, 17. Oktober
Nachmittags fahre ich mit Elias nach Kampala, um einen Drucker für das Centre zu erwerben. Elias ist an der Uni als Fahrer angestellt und wenn wir ihn als Familie oder für die Arbeit benötigen, sprechen wir uns mit ihm ab. Einen Fahrer in Kampala zu haben birgt riesige Vorteile. Erstens, die Chance auf unfallfreiheit erhöht sich sagenhaft. Zweitens, die Reise geht wesentlich schneller. Drittens, man lernt neue Schleichwege kennen. Elias fährt nicht immer 100% nach Regeln, wobei das in dem Verkehr auch kaum möglich ist, aber extrem sicher. Also klappere ich die Meile der Elektrofachhändler an der Kampala Road ab. Hier ist ein Laden neben dem anderen und alle führen in etwa das gleiche Sortiment, es scheint als wären alle von Indern betrieben. Nachdem ich in vier Läden den gleichen Drucker gefunden habe, kaufe ich beim günstigsten. Handeln ist möglich und dumm ist, wer es nicht versucht. Das Geld für den Drucker kommt von CFI – in diesem Fall also von Spenden. Danke!

Donnerstag, 18. Oktober
Vormittags skype ich mit Rottenburg, in einem Monat kommt die Delegation von der FH Rottenburg und das BWS plus Projekt wird gestartet. Am Nachmittag fahren Rhodah und ich zu Leuten, die Erfahrungen mit Biosandfiltern haben. So breichtet man uns. Wir werden überrascht. Die Idee, mit Hilfe von Lehm die runde, konische Form des Filters zu machen finden wir gut. Bis dorthin hatten wir nur die Stahlformen gekannt, viel zu komplex für einen lokalen Schweißer, außerdem sehr teuer. Allerdings dauert der ganze Vorgang angeblich mehrere Wochen. Die Leute wurden von einer NGO geschult, deren Namen sie nicht mehr wissen. Wir möchten wissen, wie sie die Ugander dazu bringen, diesem gefilterten Wasser zu vertrauen. Angeblich ist die Schulung, die der Trupp anbietet, so gut,  dass danach alle überzeugt sind. Auf die Frage, warum das ganze „Bio-Sandfilter“ genannt wird, bekomme ich zu Antwort, die ganzen Materialien sind ‚biologisch‘ – also kein Plastik oder so. Von den Bakterien, die sich im feuchten Sand ansiedeln und patogene Keime vernichten (deshalb ‚bio‘), haben sie noch nicht gehört. Wir werden nächstes Jahr, 2019, versuchen hier weiterzumachen.
Am späten Nachmittag antworte ich noch auf eine Anfrage vom neuen Dekan der Fakultät. Er wollte einen Überblick über unsere Aktivitäten haben.

Freitag, 19. Oktober
Vor dem Mittagessen habe ich mit Studentengruppen zu tun. Ihre Projekte werden vom Zentrum betreut. Es ist ein Kampf gegen Copy-Paste und für richtiges Zitieren. Am Nachmittag bin ich mit Chris in Mulira, um den Fischpond zu begutachten.

(*) … und 5 mittlerweile Monaten, die Stille im Blog kam unerwartet. Die Woche für den Blogeintrag wurde mittels Kalendereinträgen und Langzeitgedächnis rekonstruiert.

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