Die letzten Wochen waren gekennzeichnet von langen Tagen und kurzen Nächten. Unser Hausrat hat sich zunehmend aus der Wohnung heraus gelöst, es geschah in Wellen: zwischenzeitlich schien jeder Flecken Boden mit Schrankinhalten überschwemmt zu sein. In Etappen haben wir unseren materiellen Reichtum davon gekarrt. Eine VW-Busladung fand in Reutte in Tirol ihre Bleibe. Eine Sprinterladung ist in Enslingen, Baden-Württemberg, und Netzschkau, Sachsen, untergebracht. Im Wertstoffhof Dußlingen fanden zwei Auto-Ladungen ihre finale Bestimmung. Wir hätten nie gedacht, wie viel Altpapier in längst vergessenen Ordnern und Büchern wir jahrelang beherbergt haben.

Auf einer meiner Fahrten mit dem Fahrradanhänger, welcher beladen mit Kartons auf seinem Weg zum Zwischenlager Garage war, wurde ich an etwas erinnert: Viele Flüchtlinge waren und sind gezwungen, mit dem was auf einem Karren Platz findet, los zu ziehen. Zumindest mir wurde unser Wohlstand zwischendurch eine Last.

Neben dem Kampf mit dem Materialismus ergab sich eine andere Konfrontation. Wer seine Wohnung auflöst, hat irgendwann genau so eine nicht mehr. Und so schliefen wir einige Nächte als Wohnungslose bei lieben Freunden, die uns Unterkunft gaben. Was für eine Wohltat es war, in einem ganz normalen Haus zu wohnen! Alles, was wir nicht eingelagert, verschenkt oder entsorgt hatten, musste in unserem Auto Platz finden. Und mit diesem Autoinhalt bestreiten wir die nächsten 2 Monaten, während wir in Bad Honnef für unseren Auslandsaufenthalt geschult werden. Die Wohnung, welche uns von der AIZ gestellt wird, hat locker Platz für unsere Habseligkeiten.

In den vergangenen Tagen wurde mir eine Stelle aus dem Neuen Testament ins Gedächtnis gerufen. Da kommt jemand und möchte gerne Jesus nachfolgen, ganz gleich wohin. Dieser antwortet: „Die Füchse haben ihren Bau und die Vögel ihre Nester; aber der Menschensohn hat keinen Ort, wo er sich ausruhen kann“. Was für ein Mensch, der freundlich bleibt und Frieden bringt, und kein eigenes Bett hat!

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